Wir brauchen eine spezialisierte Schreibberatung für Promovierende!
Die Herausforderungen an Promovierende sind enorm: Sie müssen nicht nur die Dissertation und ihr Betreuungsverhältnis managen, sondern auf Tagungen präsentieren, möglichst frühzeitig publizieren, Wissenschaftskommunikation beherrschen, große Datenmengen organisieren können, international und mehrsprachig tätig sein, immer wieder um die Finanzierung der Promotion bangen und kämpfen, in Arbeitskreisen, Verbänden und universitärer Selbstverwaltung aktiv sein, die eigene Karriere innerhalb und außerhalb der Wissenschaft planen, Care-Arbeit tätigen, sich und ihre Rolle finden, sich mit der eigenen (Bildungs-)Herkunft auseinanderzusetzen, sich weiterqualifizieren und nicht zuletzt Schlüsselkompetenzen aufbauen, die auch außerhalb der Wissenschaft gefragt sind.
Entlang dieser Themenfelder werden Angebote für Promovierende, vor allem von Graduierteneinrichtungen, organisiert. Doch was ist mit der Schreibkompetenz? Deren Grundlagen werden im besten Fall im Studium angelegt, ihr Erwerb ist aber mit dem Studienabschluss keineswegs abgeschlossen. Denn es braucht eine deutlich erweiterte Schreibkompetenz, um die erste eigene komplexe Forschung in ein Buch zu gießen oder den Publikationsprozess für ein Paper mit Reviewverfahren zu meistern.
Umgekehrt kann die Schreibkompetenz bei einer Promotion nicht isoliert betrachtet werden. Denn die oben genannten Herausforderungen spielen in den Schreibprozess hinein, fördern oder blockieren ihn und werden als Anliegen in der Schreibberatung geäußert. In der Folge hat sich ein Berufsfeld, vor allem der selbständigen Schreibberater*innen für Promovierende, herausgebildet, das dieser Vielfalt der Herausforderungen Rechnung trägt, in der Schreibwissenschaft bislang jedoch kaum präsent ist. In dieser Ausgabe des Journals für Schreibwissenschaft – JoSch laden wir dazu ein, diese Vielfalt abzubilden, Erfahrungen aus der Praxis zu reflektieren und zu beforschen. Der Call richtet sich an selbstständige und angestellte Schreibberater*innen für Promovierende, Mitarbeitende von Graduiertenzentren und Mentoringprogrammen, und auch an Promovierende selbst, die sich z. B. in autonomen Schreibgruppen oder politischen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen organisieren.
Den vollständigen Call for Papers gibt es hier.
Die Gastherausgebenden dieser Ausgabe sind
- Daniela Liebscher,
- Eva-Maria Lerche.