Akademisches Lesen zählt zu den zentralen Kompetenzen im Studium: Gelesen wird vor- und nachbereitend für Lehrveranstaltungen sowie im Rahmen von Schreibprozessen für Studien- und Abschlussarbeiten. Das Lesen dient dabei ebenso der Aneignung fachlicher Inhalte, Konventionen, Denk- und Argumentationsweisen – und damit der Sozialisierung ins Fach – wie der Anregung eigener Gedanken durch das Nachvollziehen, kritische Hinterfragen und Weiterentwickeln des Gelesenen.
So allgegenwärtig akademisches Lesen in seinen vielfältigen Ausprägungen für Studierende ist, so selten wird es in der Fachlehre oder extracurricularen Angeboten explizit vermittelt. Gleichzeitig erleben Studierende es oftmals als herausfordernd, thematisieren dies jedoch selten differenziert. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, nutzen mittlerweile zahlreiche Studierende KI als Unterstützung in ihren Leseprozessen, indem sie Teilaufgaben oder auch die gesamte Lektürearbeit an KI abgeben. Durch die geringere Einübung von Lesekompetenz wird diese möglicherweise langfristig weiter abgebaut bzw. erst gar nicht mehr aufgebaut. Zugleich werden Lese- und Verständnisschwierigkeiten potenziell verdeckt, mit der Folge einer weiteren Reduktion (expliziter) Lesevermittlung. Generative KI bringt zudem zusätzliche, neue Leseanforderungen mit sich, da die KI-Generate selbst ebenfalls gelesen und kritisch bewertet sowie weiterentwickelt werden müssen, um angemessen über die Originaltexte sprechen oder schreiben zu können. Wir laden für die nächste JoSch-Ausgabe Beiträge ein, die sich mit diesem Feld des akademischen Lesens aus theoretischer, empirischer und didaktischer Perspektive befassen.
Den vollständigen Call for Papers gibt es hier.
Die Gastherausgebenden dieser Ausgabe sind
- Nora Hoffmann,
- Alina Lira Lorca,
- Selina Müller.